Ein steiniger Weg zum Narrenbrunnen

Die Wurzeln eines Brunnens für die Narrenzunft liegen schon viele Jahre zurück. Zunftmeister Polde Maucher „Senior“ besuchte den Eberhardzeller Künstler Horst Reichle bereits in den sechziger Jahren. Damals schilderte er voller Euphorie die Idee, einen Narrenbrunnen für Eberhardzell zu erschaffen. Der auf dem Venishof bei Oberessendorf lebende Künstler winkte ab. Viele internationale Projekte hatte er im Kopf und zugegebenermaßen wenig Begeisterung für die Fasnet. Es vergingen viele Jahre, in denen mittlerweile der Sohn von Zunftmeister Maucher, Polde Junior, Reichle besuchte.

 

„Isch halt en Künschdler, do brausch manchmol a bissle me Zeit“, fasst es Polde Maucher einmal kurz zusammen. Die Besuche zeigten aber Wirkung. 2015 sagte Reichle endlich ja – er wolle einen Narrenbrunnen für die Narrenzunft Eberhardzell erschaffen.

Man könnte vermuten, Horst Reichle hat sich in den vergangenen Jahrzehnten schon mit diesem Werk beschäftigt. In kürzester Zeit wurden Gedanken aufs Papier gebracht und Modelle entstanden. Meterweise Skizzen schmückten das Atelier des Künstlers. Vor- und  Nachteile verschiedenster Materialien und Formen wurden besprochen. Zunächst sollte der Narrenbrunnen aus Bronze gegossen werden. Aus Kostengründen wurden diese Gedanken jedoch verworfen und der Blick fiel auf den im Garten liegenden Stein.

Über 150.000 Jahre alt, geschätzte 10 Tonnen schwer, 2,3 Meter hoch und ebenso breit. Der Findling, welcher aus der Endmoräne der Rißeiszeit stammt, weilt seit 1996 in Reichles Garten. Der ehemalige Geschäftsführer des Betonwerks Oberessendorf, Josef Kessler, stellte den Stein dem Künstler zur Verfügung. Daraus nun einen Narrenstein zu schaffen - keine leichte Aufgabe. Anders als beispielsweise Marmor, ist der Findling keine weiches Material. Man sollte meinen, schweres Gerät komme zum Einsatz. Tatsächlich wurden Maschinen aber nur sehr sparsam und für sehr grobe Arbeiten verwendet. Alle weiteren Arbeitsschritte waren Handarbeit. Mit Hammer und Meißel arbeitete Reichle die Narrenfiguren aus dem Stein heraus. Einige Werkzeuge blieben dabei laut dem Künstler auf der Strecke, der Fels hat seinen eigenen Charakter.

Sehr schnell war klar, welche Motive den Stein schmücken sollen – die Zeller Narrenfiguren. Die Neideck-Hex, die Zeller Katz, ein Ampfelbronner Holzwurm sowie ein Hansel. Natürlich sollte auch die Einzelfigur, der Lällenkönig, in Stein gemeißelt werden. Reichle betrachtete den Findling sehr lange, nach und nach legte er fest, welche Figur wo seinen Platz finden sollte. Dann begannen die Arbeiten.

 

Mittlerweile sind alle Figuren verewigt. Gut zwei Tonnen Material hat der Künstler ausgearbeitet. Fröhlich tanzen die Narren um den Stein, welcher nun wartet, einen würdigen Platz in Eberhardzell zu finden.

 

Reichle ist für die Narrenzunft kein Unbekannter. Bereits 1961 entwarf er die Maske der Neideck-Hex. Auf der Speisekarte in einem Eberhardzeller Wirtshaus skizziert, entstand die Grundlage für die erste Maske der Hexen-Gilde. Heute, über 55 Jahre später, gibt es über 900 Hexenmasken. Wenngleich von unterschiedlichen Holzbildhauern geschaffen, zeigen doch alles die damals geschaffenen Grundzüge auf. In den folgenden Jahren engagierte sich Reichle immer wieder für die Zeller Narren. So schuf er verschiedene Dekorationen für die Bunten Abende der Zunft.

Der Künstler Horst Reichle wurde 1938 in Biberach geboren. Er lebt und arbeitet abwechselnd auf dem Venishof bei Oberessendorf sowie in München. Nach seinem Graphikstudium in München, genoss er Weiterbildungen in den Bereich Bühnenbild, Lithographie und Radierung in Salzburg. Der seit 1962 freischaffende Künstler ist unter anderem Initiator der Kürnbacher Malertage, der Internationalen Maler- und Bildhauersymphosien in Ochsenhausen sowie des Ehinger Kunstforums.

Zunftmeister

Narrenzunft "Zeller Schwarze Katz" Eberhardzell e.V.
Karl-Heinz "Polde" Maucher
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88436 Eberhardzell

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Telefax 07355 91021

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