Die Narrenzunft entsteht

Auch in Eberhardzell gab es schon vor Jahrhunderten, den in der Region üblichen Mummenschanz. Aus Unterlagen des Klosters Schussenried geht hervor, daß schon im 16. Jahrhundert die vom Kloster Schussenried eingesetzten Ortspfarrer berichteten, daß die Christen in Eberhardzell zum Frühlingsbeginn in heidnisches Gedankengut verfielen, sich grauenhaft verkleideten und alten germanischen Bräuchen folgten, um so die Geister zu vertreiben, die sich während des Winters im Dorf versteckt hielten.

 

Es gibt zwar Filmmaterial aus den 30er Jahren, auf dem bereits ein Fasnetsumzug in Eberhardzell dokumentiert ist, jedoch gab es noch keinen organisierten Verein der Fasnetsveranstaltungen organisierte. Während des wohl finstersten Zeitraumes der jüngeren deutschen Geschichte, des Nationalsozialismus und des 2.Weltkrieges hatten die Eberhardzeller, wie die meisten anderen Europäer, mit den damit verbundenen Nöten und Sorgen zu kämpfen, daß es keine nennenswerten Fasnetsaktivitäten gab, welche vermutlich von den regierenden Nazis sowieso nicht erlaubt worden wären. So war also die jetzige Fasnetshochburg Eberhardzell in einen Dornröschenschlaf verfallen, aus dem es erst an Weihnachten 1956 wachgeküßt wurde.

 

Damals pries Sepp Maucher, genannt "Sägers Sepp", später im ganzen Oberland als Polde bekannt, im Gasthaus "Mohren" seinen Bulldog (Schlepper) Lanz-Mannheim als Wundergerät, welches unglaubliches zu leisten vermag. obert Küfer mochte die Aussagen über das unwahrscheinliche Leistungsvermögen nicht so ganz glauben und meinte; " Sepp, ich wette um einen Kasten Bier, daß dein Lanz nicht mal 'ne Wurst vom Teller zieht!" An diesem Abend und auch in den nächsten Wochen, wurde das Thema nicht weiter verfolgt, bis Sepp - übrigens der Vater unseres jetzigen Zunftmeisters, welcher ebenfalls Polde genannt wird - die Geschichte seiner Mutter erzählte. Diese war närrisch angehaucht und schlug ihm vor er soll den Kasten auf keinen Fall bezahlen, ohne vorherigen Versuch, die Wette zu gewinnen. Er solle die Wette an der Fasnet einlösen. So kam es, daß am Fasnetssonntag 1957, nach Ende der Sonntagsmesse, vier Lanz-Bulldog vor der Kirche auffuhren.

 

Sepp hatte ein Jauchefaß angehängt auf dem groß Freibier stand, gefüllt war es mit Wasser, das der ortsansässige Malermeister Daiber mit brauner Farbe eingefärbt hatte. Die anderen zogen geschmückte Anhänger, auf denen die Freunde von Sepp Maucher mitfuhren, die bei der Organisation des Spektakels mitwirkten. Hans Lott lief mit einer Schelle umher und teilte den überraschten Kirchgängern mit, daß ein Umzug durchs Ort stattfindet, der am Mohren endet. Dort soll der Lanz sein Leistungsvermögen unter Beweis stellen und versuchen eine Wurst von einem Teller zu ziehen. So tuckerten die Maschinisten Sepp Maucher mit seinem Lanz, Hermann Petter mit dem Lanz der Mühle Eberhardzell, Anton Schreiber mit dem Lanz der Mühle Ritzenweiler und Fritz Stark mit dem Lanz der Heinrichsburg durch Eberhardzell und der Großteil der Kirchgänger zog mit durchs Ort.

 

Am Mohren angekommen bugsierte Sepp seinen Bulldog rückwärts ans Fenster der Wirtschaft. Drinnen hatte die Mohrenwirtin bereits einen Teller Rauchwürste auf der Theke angerichtet. Ein Drahtseil wurde durchs Fenster gezogen (der Lanz wurde normal zu Waldarbeiten eingesetzt), wurde um den Teller gelegt ......und dann nahm das Ereignis seinen Lauf..... Polde setzte sich auf den Schlepper und gab vorsichtig Gas, zu vorsichtig, das Gerät drohte abzusterben, geistesgegenwärtig rannte Helmut Fischer, damals Bulldog-Fahrer bei der Raiba, zum Lanz und betätigte die Dieselpumpe um den Motor wieder in Schwung zu bringen. Der Motor kam wieder auf Touren und mit der unglaublichen Power des Lanz schaffte es Polde einen ganzen Teller Rauchwürste vom Tisch zu ziehen. Der Held wurde anschließend gebührend gefeiert, Robert Küfer löste seine Wettschuld ein und die Würste wurden verspeist. Im Verlaufe der Feier wurden noch ein paar Spender gefunden die das Fest am Laufen hielten. Die Festgesellschaft war so angetan von der Leistung des Gespannes Polde/Lanz, daß sie auch Andere von der Heldentat wissen lassen wollten. So fuhr man am Nachmittag, mit den vier Gespannen und der wilden Meute auf den Anhängern verteilt, nach Oberessendorf. Dort war die Maschinenfabrik Heber ansässig. Ihres Zeichens Lanz-Handelsvertretung. Herr Heber sen. war so hingerissen von der werbewirksamen Darbietung der Leistungsfähigkeit seiner Schlepper, daß er die ganze Truppe zur Brotzeit in das Gasthaus Krone einlud. Wieviel Interesse in Eberhardzell an der Fasnet da war, auch und vor allem bei den Älteren, verdeutlicht vielleicht folgendes: Für diesen, ersten Umzug wurde eine Chaise hergerichtet, da die Gefahr bestand, daß der Besitzer sie nicht zur Verfügung stellte, lieh man sie sich eben einfach des nachts kurzfristig aus. Unglücklicherweise hatte die Kutsche keine Deichsel, der Dorfwagner erklärte sich aber bereit eine zu fertigen. Er arbeitete die ganze Nacht durch und weckte morgens um fünf den Dorfschmied damit dieser die Eisenbeschläge an der Deichsel anbringt. Dieser Umzug fand, sowohl bei den Teilnehmern als auch bei den Zuschauern, soviel Anklang, daß im nächsten Jahr am Fasnetssonntag wieder ein Umzug veranstaltet wurde. Zu diesem Umzug wurde ein lebensgroßer Elefant gebastelt.

 

Der Elefant wurde von den Erbauern auf den Namen Poldi getauft. Damit Sepp mit dem Elefanten ein nettes Pärchen abgibt wurde er kurzerhand zum Polde und dieser Name blieb untrennbar an Sepp haften, auch sein ältester Sohn wird, seit er das Amt des Zunftmeisters von seinem Vater übernahm, Polde gerufen und ist unter diesem Namen weit umher bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund, daß er eigentlich Karl-Heinz heißt weiß selbst in Eberhardzell nicht jeder.

 

Am 11.11.1958 wurde, auf Bestreben des zugezogenen, gebürtigen Rheinländers und bis dato in Schramberg wohnhaften Arztes Dr. Werner Pieper die Narrenzunft "Zeller Schwarze Katz" Eberhardzell gegründet. Seit 1957 gab es nur zwei Jahre an dem am Fasnetssonntag kein Fasnetsumzug in Eberhardzell stattfand, dies war im Jahre 1966 als die Maul-und Klauenseuche ausgebrochen war und öffentliche Veranstaltungen untersagt waren und im Jahre 1990 als die Fasnet wegen des Kuwait Konfliktes ausfiel.

 

Inzwischen gibt es in der Gemeinde Eberhardzell kaum eine Familie in der nicht mindestens ein Familienmitglied in der Narrenzunft aktiv ist. Selbst unser Pfarrer und der Bürgermeister haben an der Dorffasnet Ihr Hanselhäs an. Es gibt auch kaum einen Zugezogenen im Ort der sich dauerhaft der Faszination Fasnet widersetzen konnte.

 

Zunftmeister

Narrenzunft "Zeller Schwarze Katz" Eberhardzell e.V.
Karl-Heinz "Polde" Maucher
Romersbergstr. 13

88436 Eberhardzell

Telefon 07355 91020

Telefax 07355 91021

polde@nz-eberhardzell.de

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